Dienstag, 1. Oktober 2013

[über das Mama sein] - die Chef-Frage

Zugegeben, beim ersten Kind hat doch wirklich niemand eine konkrete Vorstellung über die Trotzphase des eigenen Kindes - oder?
In der Vergangenheit erlebte man zwar die eine oder andere Situation im Supermarkt oder Einkaufszentrum, 
in der eine Mutter mit hochrotem Kopf verzweifelt versucht hat, mit Engelszungen auf ihr schreiendes, am Boden liegendes Kleinkind einzureden, es möge doch bitte wieder aufstehen... 
... aber das man selbst mal irgendwann, in naher Zukunft, eben genau eine solche Mutter sein würde - diesen Gedanken haben doch mit Sicherheit die Wenigsten. Ich hatte ihn auf alle Fälle nicht.
Ich war froh nicht in der Haut jener Mutter zu stecken und eins wusste ich damals genau:
Sowas passiert mir nie !

Aber, es ist nun mal wie es ist - der Zeitpunkt kommt! 
Beim Einen ist er mit dem Ausbruch eines Supervulkans vergleichbar, beim Anderen eher mit einem kleinen Unwetter. Jedes Kind ist eben anders.


Bei uns kam eben dieser besagte Zeitpunkt im vergangenen Jahr um die Weihnachtszeit
(wobei die eigentliche Trotzphase bereits im Sommer begonnen hatte) 

Ich war mit der kleinen Dame im Supermarkt einkaufen und beim ersten Ausspruch des wunderschönen Wörtchens NEIN, warf sie sich in unmittelbarer Nähe der Kasse auf den Boden. 
In einem solchen Moment ist es äußerst unangenehm, wenn dich plötzlich alle so seltsam anstarren... dieser Mix aus Mitleid und Entsetzen - man sucht eigentlich nur noch nach dem großen Loch, in dem man unbemerkt verschwinden kann..
Gut, sie hat jetzt nicht geschrien, aber sehr lautstark allen Anwesenden inkl. mir zu verstehen gegeben was sie partout haben will und ich, die böse Mama, ihr nicht kaufen möchte.

Ihr merkt - der Kreis schließt sich an dieser Stelle wieder.

Was also tun ? 
Nun, zu Anfang war ich ein wenig ratlos und habe dann versucht, ohne groß Aufsehen zu erregen, 
einfach nur noch das Beste aus der Situation zu machen.
Ich hab es erst gar nicht mit Reden versucht!
Zu meinem eigenen Erstaunen musste ich lachen und habe dann zu ihr gesagt:
"Na wenn Du meinst, dann musst Du da halt liegen bleiben"  
Dann ging ich auf direktem Weg zur Kasse.

Den Gesichtsausdruck hättet ihr sehen sollen - einfach unbezahlbar!
Ja.. wie jetzt - warum hilft die mir denn nicht auf, ich lieg doch jetzt hier .. 
und warum krieg ich das jetzt nicht was ich wollte ..
hää ? Warum geht die denn jetzt einfach an mir vorbei ?


Offenbar zeigte meine Reaktion Wirkung!
Sie stand schneller auf als ich gucken konnte und stellte sich motzig neben mich.
Was ich gemacht hätte wenn sie trotzdem liegen geblieben wäre, dazu vielleicht 
noch lauthals losgeschrien hätte, weiß ich nicht.
Von daher ist dies leider kein Patentrezept. Bei uns hat es jedenfalls funktioniert, worüber ich wirklich sehr froh war!

Vor mir an der Kasse stand eine sehr nette Dame, um die 50, die mir ein bisschen meine, scheinbar offensichtliche, Peinlichkeit zu nehmen versuchte.
Sie erzählte mir, dass ihre Töchter das auch gemacht hätten - tut in einer solchen Situation doch irgendwie gut zu hören. 
Die nette Kassiererin wollte meinem kleinen Wutzwerg freundlicherweise noch etwas Süßes anbieten, aber das hat sie mit motziger Miene abgelehnt und Mama durfte es sich einstecken. Juhu !

Im Auto hat sie sich dann bei mir entschuldigt - nachdem ich ihr ganz ruhig gesagt hatte, dass ich nicht möchte, dass sie sich im Geschäft auf den Boden schmeißt
- die anderen Leute lachen dann über dich und das ist doch auch nicht schön, oder ?
Hat aber irgendwie nicht so richtig gefruchtet, denn nur zwei Wochen später, 
versuchte sie es erneut - dann allerdings bei meinem Mann.
Auch der Papa muss mal einer solchen Situation ausgesetzt werden - aber der nahm es ganz gelassen...
Er hat sie einfach wortlos sitzen lassen (vorher aber noch von den Zeitschriften weggesetzt, damit sie vor lauter Wut keine zerreißt) und sie erst dann gerufen als er fertig war mit bezahlen.

Danach war Ruhe - das Kind kuriert und die Eltern erleichtert

In diesem Sinne
Euch allen eine Happy Trotzphase
... aber, sie soll vorbeigehen - habe ich mir sagen lassen... 
und in 8-9 Jahren startet dann Phase 2. Man darf gespannt sein ;-)

Aber bis dahin bleiben wir erst einmal Chef.

Liebe Grüße
Nina



 



Kommentare:

  1. Wunderbare Schilderung. Musste an einigen Stellen schmunzeln. Hab zwar eigene Kinder, und wie du sagst, hoffe auch ich dass MEIN Kind diese Phase nicht hat. Aber wahrscheinlich hoffe auch ich vergeblich.
    LG Daniela

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  2. Sehr schön geschrieben und voll nachvollziehbar, da wir die Phase auch hatten und bestimmt noch den ein oder anderen Wutanfall erleben dürfen. Aber Du kennst ja unsere Madame und ich kenne eure und beide kennen sie sich und wir wissen ja wie unser Treffen zumeist beginnt.....

    GLG Michelle

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  3. Liebe Nina,
    da habt ihr wohl alles richtig gemacht! Ich versuche, auch die anderen Leute zu ignorieren - ich kann es ja nicht ändern. Je nach Laune und Tagesform kann so ein Anfall immer mal wieder kommen, aber bei uns glücklicherweise nicht mehr mit "Auf-den-Boden-werfen"!
    Vielen Dank auch für deinen Erfahrungsbericht bei mir! Ja, so erlebe ich es auch - die Erwartungen sind hoch: zu Hause und im Job. Und das, obwohl ich sicher bin, dass jede Mama überall ihr Bestes gibt!
    Liebe Grüße! Sonja

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